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Wie kann man sich in Deutschland selbständig machen?

Selbständig machen, aber wie?

In Deutschland kann man sich auf unterschiedliche Weise selbstständig machen, je nach Branche, Geschäftsmodell und Rechtsform. Hier ist eine etwas verkürzte Schritt-für-Schritt-Anleitung, was du beachten musst, wenn Du in Deutschland Dein eigenes Business starten möchtest:


1. Geschäftsidee entwickeln & prüfen

  • Ist deine Idee marktfähig?
  • Wer sind deine Kunden?
  • Gibt es Konkurrenz?

Diese Dinge sind definitiv bei "größeren" Schritten in die Selbständigkeit zu beachten bzw. wenn man etwas mehr Geld in den Start seiner Existenzgründung investieren muss. Bei einer (anfänglichen) Tätigkeit im Nebengewerbe, wie z.B. ebay Verkäufer oder Affiliate-Marketing (Website mit Werbung) kann man auch einiges durch "trial and error" erlernen.

Die Investitionen in und der Zeitaufwand für bestimmte Geschäftsideen sind gering, so dass man sie und die Selbständigkeit "ausprobieren" kann.


2. Businessplan erstellen

Ein Businessplan ist wichtig, besonders wenn du Fördermittel oder Kredite brauchst. Bei kleineren Unternehmungen reicht ein kürzerer Businessplan. Ein Businessplan enthält:

  • Geschäftsidee & Zielgruppe
  • Marktanalyse
  • Finanzplanung (Kosten, Einnahmen, Kapitalbedarf)
  • Marketingstrategie

Zumindest sollte man sich mit seiner Idee auseinanderzusetzen und versuchen unvoreingenommen an die Sache heranzugehen. Wird die neu entwickelte WC-Bürste für 100€ wirklich so viele Abnehmer finden? Braucht der eigene Wohnort wirklich einen weiteren Imbiss ? Was ist alles zu beachten und wie wird man konkret vorgehen ?


3. Wahl der Rechtsform

Je nach Art und Umfang des Geschäfts gibt es verschiedene Rechtsformen:

Rechtsform Kapital nötig? Haftung Geeignet für
Einzelunternehmen Nein Privatvermögen Kleinunternehmer, Freelancer
GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) 25.000 € (12.500 € bei Gründung) Beschränkt auf Firmenvermögen Mittelständische Unternehmen
UG (Unternehmergesellschaft) Ab 1 € Beschränkt auf Firmenvermögen Kleine Unternehmen mit wenig Kapital
GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) Nein Privatvermögen Kleinere Teams (z. B. zwei Gründer)
AG (Aktiengesellschaft) 50.000 € Beschränkt auf Firmenvermögen Großunternehmen

Für den ersten Start in die Selbständigkeit reicht es sich beim örtlichen Gewerbeamt zu melden und einen Gewerbeschein zu beantragen. Ist man kein Einzelunternehmer, also möchte man sich zum Beispiel mit einem Freund zusammen selbständig machen, muss man eine andere Rechtsform, wie z.B. eine GbR wählen. 

Hat man Angst vor irgendwelchen rechtlichen Problemen, bzw. möchte im Fall der Fälle definitiv nicht mit seinen Privatvermögen haften, sollte man eine UG oder GmbH gründen. Die Angst vor irgendwelchen rechtlichen Problemen ist jedoch oft übertrieben. Es hängt sicherlich von der Branche, der Konkurrenz und der eigenen Sorgfalt ab. 

Bei Kapitalgesellschaften, wie eine UG, GmbH und AG  ist die Haftung auf das Firmenvermögen begrenzt, allerdings ist der Aufwand der Gründung und auch der Verwaltungsaufwand größer. Einen Notar zur Gründung und die regelmäßigen Dienste eines Steuerberaters werden definitiv benötigt. Bei einem Gewerbeschein ist nicht nur die "Gründung" bedeutend einfacher.

4. Gewerbeanmeldung & Genehmigungen

  • Gewerbe anmelden beim Gewerbeamt (außer Freiberufler, die melden sich nur beim Finanzamt an).
  • Steuernummer vom Finanzamt beantragen.
  • Je nach Branche: Spezielle Genehmigungen & Zulassungen einholen (z. B. Gaststättenkonzession).

Tipp: Manche Tätigkeiten (z. B. Handwerk) erfordern einen Meisterbrief oder Eintrag in die Handwerksrolle. Eine gewisse Recherche ist somit Pflicht.


5. Versicherungen & Sozialabgaben klären

  • Krankenversicherung (frei wählbar, privat oder gesetzlich)
  • Rentenversicherung (freiwillig, außer in bestimmten Branchen Pflicht)
  • Berufshaftpflicht (je nach Tätigkeit empfohlen, aber nicht Pflicht)

6. Buchhaltung & Steuern

  • Umsatzsteuerregelung klären (Kleinunternehmerregelung bis 25.000 € im Jahr möglich, dann keine Umsatzsteuer).
  • Einnahmen und Ausgaben sauber dokumentieren (evtl. Buchhaltungssoftware nutzen).
  • Je nach Rechtsform: Gewerbesteuer & Einkommensteuer zahlen bzw. auf die Schreiben des Finanzamts warten.

Hat man sein Gewerbe angemeldet, kommt das Zuständige Finanzamt in den nächsten Wochen direkt auf einen zu. Wer im Nebengewerbe tätig ist, bzw. keine höheren Umsätze erwartet, sollte sich mit der Kleinunternehmerregelung befassen.

Für Branchen ohne großen Wareneinsatz (Dienstleistungen an Privatpersonen) besonders interessant, da keine MwSt. auf den Rechnungen aufgeschlagen werden muss und man seine Leistungen somit günstiger anbieten kann.

Allerdings kann auch keine Vorsteuer (selbst gezahlte Mehrwertsteuer, z. B. für die Büroeinrichtung oder benötigte Werkzeuge) geltend gemacht werden. 


7. Kunden gewinnen & starten!

  • Webseite & Social Media erstellen
  • Werbung schalten
  • Netzwerk aufbauen

Die Kundengewinnung ist sicherlich je nach Branche, Ort und Produkt unterschiedlich. Zumindest muss das eigene Produkt bzw. das Unternehmen irgendwie bekannt werden, damit man Umsätze erzielen kann.

Ob man irgendwo Werbung schaltet, Flyer druckt, eine Agentur einschaltet oder lustige Videos auf TikTok veröffentlicht hängt auch wieder vom Produkt, dem eigenen Unternehmen und Budget ab.


Fazit:

Der Weg in die Selbstständigkeit ist gerade für eine Nebentätigkeit relativ leicht umzusetzen. Desto größer die eigenen Ambitionen jedoch sind, desto mehr Vorbereitung bedarf es. Besonders wichtige Punkte, neben der eigenen Geschäftsidee,  sind die Wahl der Rechtsform, und die Anmeldung beim Finanzamt/Gewerbeamt.

Ein solider Businessplan hilft Risiken zu minimieren. Selbst Kleinunternehmer sollten eine Art Businessplan entwerfen und sich vorab etwas detaillierter mit ihrer Geschäftstätigkeit auseinandersetzen. Es hilft mögliche Probleme und Fehler vorab zu erkennen.